Erzählungen aus dem und über den Iran


Unvollkommen, halb: So fühlt sich die Autorin, die in einem Land und unter einem Regime aufgewachsen ist, das seinen Bürgerinnen und Bürgern kaum Freiheiten zugesteht, sie sogar foltert und tötet. Davon erzählt Ayla Diba eindrücklich in ihren neun Erzählungen.

17765X_Diba_HalbeBuch_3D_01(1).png

Ein Mädchen macht sich auf die Suche nach dem dubiosen Khakh, vor dem die Mutter immer warnt: Es scheint es vor allem auf Frauen abgesehen zu haben, Männer lässt es in Ruhe. – Die Freundinnen haben sie gewarnt: Wie kann sie nur zurückreisen in den Iran, es ist Krieg, das Internet unzuverlässig, niemand würde erfahren, wenn ihr etwas zustieße. Aber die Großmutter wartet auf das Parfum und die Hoffnung, die die Enkelin ihr jedes Jahr bringt. – 50.000 Menschen im Iran, die nicht mehr da sind, 50.000 Menschen in einem Fußballstadion irgendwo in Deutschland: Eine einzige Zahl setzt eine Tragödie in Gang. Vielleicht haben wir einfach zu lange geübt wegzusehen? – Israfil, einer der vier Erzengel im Islam, Verkünder des Sterbens und der Wiederauferstehung: Doch anders als prophezeit, ist die Welt nicht zu Ende, als er in sein Horn bläst, und jeder hat seine eigene Antwort darauf. – Eine Mutter gibt alles, damit ihre Tochter ins Ausland gehen kann – sogar die eigene Lebenszeit. Und da ist die wahre Geschichte eines Jungen, der im Grenzgebiet zum Irak Waren geschmuggelt hat und in den Bergen erfroren ist.

Am Ende des Bandes gibt die Autorin Einblick in die Motivation für ihre Geschichten. Die meisten basieren auf eigenen Erfahrungen, als Iranerin, als Frau, als Tochter, als Schwester und Freundin.

Unvermittelte Abbrüche, plötzlicher Stillstand, ausbleibende Enden – das greift auch die Gestaltung dieses Buchs auf: Ein halber Umschlag legt sich um unbeschnittene Seiten, die Fadenheftung liegt offen. Die Geschichten erschließt man sich, indem die Seiten selbst von Hand aufgetrennt werden.

Impressionen von der Herstellung dieses besonderen Buchobjekts im Memminger MedienCentrum

2026_09_Buechergilde_DasHalbeBuch (14).jpeg
2026_09_Buechergilde_DasHalbeBuch (10).jpeg
2026_09_Buechergilde_DasHalbeBuch (23).jpeg
2026_09_Buechergilde_DasHalbeBuch (27).jpeg
2026_09_Buechergilde_DasHalbeBuch (32).jpeg
2026_09_Buechergilde_DasHalbeBuch (11).jpeg

Die Autorin

Ayla Diba wurde im Iran geboren und zog später nach Deutschland. Sie schreibt über gewöhnliche Leben, die von außergewöhnlichen Umständen geprägt sind – über Erinnerung, Entwurzelung, Liebe, Angst und die seltsame Beharrlichkeit der Hoffnung. Um sich und ihre Familie zu schützen, schreibt sie unter einem Pseudonym.